Vor 25 Jahren – Orkane Daria, Hertha, Vivian und Wiebke

Orkan Wiebke: Am 1. März 1990 schnitten die Feuerwehrangehörigen einen Waldweg frei.
Orkan Wiebke: Am 1. März 1990 schnitten die Feuerwehrangehörigen einen Waldweg frei.

Über 200 Todesopfer und Sachschäden von mehreren Milliarden Euro in ganz Europa, umgeworfene Waldflächen und teils mehrstündige Stromausfälle. Vor 25 Jahren hinterließ eine Sturmserie auch in der Pfalz eine Spur der Verwüstung. Feuerwehr-Otterberg.de blickt auf eine bisher einmalige Orkankette zurück.

Die Bilder stammen aus dem Archiv der Feuerwehr Otterberg. Die Textinformationen lieferten großteils die Rheinpfalz-Ausgaben aus dieser Zeit. Weitere Quellen sind der Stadt- und Landkurier sowie das Onlineportal Wikipedia.

Fett geschrieben sind Berichte, die im Zusammenhang mit Orten in der heutigen Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg stehen.

Orkan Daria (25. und 26. Januar 1990)

Orkan Hertha: Am 3. Februar 1990 beseitigt die Feuerwehr Otterberg umsturzgefährdete Bäume am Rotenberg.
Orkan Hertha: Am 3. Februar 1990 beseitigt die Feuerwehr Otterberg umsturzgefährdete Bäume am Rotenberg.
  • Die Rheinpfalz meldet am 25. Januar 1990 bereits erste Unwettereinsätze. Mehrere umgeknickte Bäume hatten einen Tag zuvor während des morgendlichen Berufsverkehrs die L382 zwischen Otterberg und Höringen blockiert. Die Feuerwehr Otterberg beseitigte die Verkehrshindernisse.
  • Am gleichen Tag gibt die Tageszeitung folgende Wettervorhersage bekannt: „Atlantische Tiefausläufer überqueren Mitteleuropa ostwärts“ und „frischer bis starker Wind um Südwest mit kräftigen Sturmböen“.
  • Am 26. Januar 1990 titelt die Rheinpfalz auf der ersten Seite bereits „Straßen wegen Sturmböen gesperrt“. So wurden zahllose Bäume entwurzelt und Dächer in der Pfalz abgedeckt. Vorallem im Pfälzerwald waren Straßen wegen querliegenden Stämmen blockiert. Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometer wurden in der Pfalz gemessen.
  • Die Regionalseite der gleichen Ausgabe meldet eine Vollsperrung der A61 zwischen Alzey und Gundersheim wegen umgestürzter LKW. Auf der gleichen Autobahn hatte der Orkan auch Verkehrsschilder umgerissen.
  • Die „Kaiserslauterer Rundschau“ berichtet ebenfalls von erheblichen Schäden und entwurzelten Bäumen. Ein damaliger Artikel beginnt wie folgt: „Im gesamten Kreisgebiet liefen seit den gestrigen späten Nachmittagstunden die Alarmsirenen“. Am Aschbacherhof schlug ein Baum auf ein Auto. Der Fahrer blieb unverletzt. Das Auto war ein Totalschaden. In Otterbach waren sowohl Strom als auch das Telefon ausgefallen.
  • Am 27. Januar 1990 meldet die Rheinpfalz auf der ersten Seite Sturmschäden in Millionenhöhe. Drei Menschen sind in Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen, davon ein Feuerwehrmann in Mainz. Der 24-Jährige wollte Teile eines Schuldaches befestigen und stürzte ab. Es gab Zugausfälle und -verspätungen. Auf dem Weinbiet werden Windgeschwindigkeiten von 146 Stundenkilometer gemessen. Im Speyer sank ein Boot. Laut den Pfalzwerken waren 80 Gemeinden ohne Strom. Teilweise dauerten die Stromausfälle bis zu vier Stunden an. In Kusel wurde das Dach der St. Ägidius-Kirche beschädigt.
  • In der gleichen Ausgabe werden unter anderem folgende Ereignisse aus dem Bereich von Kaiserslautern gemeldet. In Niederkirchen brannte eine Trafostation, nachdem der Orkan Wasser in das Innere gedrückt hatte. „Kleinere Störungen gab’s nach Auskunft der Pfalzwerke in fast allen Orten im Kreis.“ In der Kaiserslauterer Glockenstraße stürzte ein abgeknickter großer Baum auf den Dachstuhl eines Hauses. Ein geparktes Auto wurde beschädigt. Die Polizei musste in Kaiserslautern kurzfristig sieben Straßen sperren.
  • Mit der Überschrift „Mädchen für alles“ widmete die Lokalredaktion der Rheinpfalz den Einsatzkräften einen eigenen Bericht. „Nass bis auf die Haut, vor Kälte zitternd und abgekämpft kehrten gestern morgen die Feuerwehrmänner vom Unwettereinsatz zurück“, lautet der erste Satz. Weiter heißt es unter anderem, dass sich die Löschexperten zu Dachdeckern und Holzarbeitern verwandelten, die den genervten Autofahrern den Weg mit der Motorsäge freigeschnitten. „Tatsächlich bewiesen die Freiwilligen Feuerwehren einmal mehr, dass sie vielen Lebenslagen gewachsen sind – Mädchen für alles eben, diese harten Jungs. Zum Glück!“
  • Die Rheinpfalz-Seite Zeitgeschehen meldet in der gleichen Ausgabe bereits 90 Todesopfer in Europa, davon acht in Deutschland und Windgeschwindigkeiten von 175 Stundenkilometer. Der entstandene Schaden geht in die Milliarden (Deutsche Mark). Auf der aufgewühlten Nord- und auf der Ostsee gerieten Schiffe in Seenot. 280 Personen wurden bei Dagebüll evakuiert, weil ein Deich zu brechen drohte.

Orkan Hertha (3. und 4. Februar 1990)

Orkan Hertha: Am 3. Februar 1990 war in Otterberg ein Todesopfer zu beklagen.
Orkan Hertha: Am 3. Februar 1990 war in Otterberg ein Todesopfer zu beklagen.
  • Am 5. Februar 1990 berichtet die Rheinpfalz über zwei Todesopfer in Rheinland-Pfalz. Eine Frau verstarb bei Otterberg; eine weitere in der Nähe von Koblenz.
  • Eine 39-jährige Frau aus Kaiserslautern wird bei Otterberg von einem umstürzenden Baum in einem Auto erschlagen. Das Ehepaar hatte auf dem Nachhauseweg zwischen Schneckenhausen und Otterberg die Landstraße verlassen, weil Bäume die Straße blockierten. Sie kamen im Wald ebenfalls wegen umgestürzter Bäume nicht weiter. Der Fahrer stieg aus, um den weiteren Weg zu erkunden als ein mächtiger Ast auf das Fahrzeug krachte. Schwerverletzt schleppte er sich mehrere Kilometer weit zu einer Straße. Autofahrer fanden ihn dort und setzten einen Notruf ab. Erst nach einer stundenlangen Suchaktion, bei der Feuerwehr- und Polizeikräfte beteiligt waren, wurde das demolierte Fahrzeug mit der toten Frau auf dem Beifahrersitz entdeckt.
  • Eine Beifahrerin starb in der Nähe von Koblenz nachdem das Auto in einen umgestürzten Baum gefahren war. Der Fahrer wurde schwer verletzt.
  • In Enkenbach konnte ein Nahverkehrszug noch rechtzeitig vor einem auf die Gleise gestürzten Baum halten. Die Feuerwehr schnitt die Strecke frei.
  • Viele Straßen in der Pfalz sind unpassierbar.
  • In Pirmasens baute die Feuerwehr Kamine ab, die auf die Straße zu fallen drohten.
  • Ein Baum stürzte auf einen Montagewagen der Pfalzwerke. Ein Mitarbeiter wurde dabei verletzt.
  • In Contwig stellte die Feuerwehr ein Notstromaggregat auf, damit die Behandlung eines schwerkranken Patienten zu Ende geführt werden konnte.
  • Die Station Weinbiet des Deutschen Wetterdienstes ermittelte eine Spitze von 170 Stundenkilometer. Das entspricht Windstärke 12.
  • Am 8. Februar 1990 berichtet auch der Stadt- und Landkurier über die Stürme und die Folgen. Laut ersten Schätzungen kamen im Staatswald des Forstamtes Otterberg rund 20.000 Festmeter Holz zu Fall, davon allein 10.000 Festmeter im Bezirk Grafenthalerhof.

Bildergalerie

Orkan Vivian (25. bis 27. Februar 1990)

  • Am 27. Februar 1990 meldet die Rheinpfalz mindestens neun Tote in Deutschland. Im Hamburger Hafen ist Hochwasser. An diesem Tag gilt eine Sturmflutwarnung für die Küste.
  • Auf dem Weinbiet werden 150 Kilometer pro Stunde gemessen.
  • „Zwischen Otterberg und Hörigen im Kreis Kaiserslautern blockierten innerhalb weniger Minuten mehrere Stürme die Straße. Forst und Feuerwehr lehnten die Räumarbeiten zunächst ab wegen der Gefahr, von weiteren umstürzenden Bäumen verletzt zu werden“, so die Rheinpfalz.
  • Bei Ottersheim im Donnersbergkreis knickten mehrere Hochspannungsmasten um, die anschließend nur noch von den Drähten gehalten wurden.
  • Erneut werden pfalzweit von abgedeckten Dächern und umgeknickten Bäumen berichtet.
  • Die Mainzer Straße in Kaiserslautern ist für Stunden unpassierbar. Der Verkehr wird über den Kalkofen umgeleitet. Drei Fahrzeuge auf einem Parkplatz in der Innenstadt werden durch einen umgestürzten Baum beschädigt.
  • Zitat eines Feuerwehrmannes: „Es ist das gleiche Bild wie vor Wochen.“
  • Auf der Seite Zeitgeschehen der gleichen Rheinpfalz-Ausgabe wird über mindestens 33 Tote in Europa sowie sieben Tote in Westdeutschland berichtet. Großbritainien hat es diesmal besonders hart getroffen.
  • Am 28. Februar 1990 meldet die Tageszeitung auf der ersten Seite mindestens 45 Tote in Nordwesteuropa. In der Pfalz hat man vorallem mit starken Niederschlägen und Überschwemmungen durch Vivian zu kämpfen. Viele Felder und Straßen standen unter Wasser.
  • In Kaiserslautern wurden Dächer abgedeckt und Bäume umgestürzt. Für zwei Stunden waren die Ampeln ausgefallen.
  • Mehrere Keller waren in Weilerbach, Rodenbach und Bruchmühlbach-Miesau überflutet. Auf der Kreisstraße zwischen Mackenbach und dem Osttor des Flugplatzes prallte ein Motorradfahrer auf einen auf der Straße liegenden Baumstamm. Der Kradfahrer wurde lebensgefährlich verletzt.
  • Der Westricher Fasnachtsumzug in Ramstein-Miesenbach wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Ramsteiner Wehr pumpte vollgelaufene Keller aus.
  • Der Rosenmontagsumzug in Düsseldorf wird zum ersten Mal nach dem Krieg abgesagt und findet stattdessen am 19. Mai 1990 statt.

Orkan Wiebke (28. Februar und 1. März 1990)

Orkan Hertha: Am 3. Februar 1990 war die Landesstraße zwischen Otterberg und Höringen blockiert. Mit Hilfe von Forstschleppern wird die Strecke freigeräumt.
Orkan Hertha: Am 3. Februar 1990 war die Landesstraße zwischen Otterberg und Höringen blockiert. Mit Hilfe von Forstschleppern wird die Strecke freigeräumt.
  • Am 1. März 1990 meldet die Wirtschaftsseite der Rheinpfalz „Stürme über Europa zerren auch an Versicherungs-Prämien“. Die Milliardenschäden können zu Beitragserhöhungen führen.
  • Auf der Regionalseite der gleichen Ausgabe wird über die Angst vor einem Verfall der Holzpreise berichtet. Erneut sind große Schäden im Forst entstanden. Man rechnet landesweit mit weiteren 300.000 bis 500.000 Festmetern Windwurf. Die Hälfte des drei Millionen großen Hiebkontigents hatte man bis zu Beginn der Stürme geschlagen. 2,2 Millionen Festmeter sind durch die Stürme hinzugekommen. Es gibt bereits die ersten Überlegungen, dass man Nasslager einrichtet, um dem Preisverfall entgegenzuwirken.
  • 79 Todesopfer haben die Stürme seit Beginn der Woche gefordert. Ein Feuerwehrmann ist in der Eifel ums Leben gekommen.
  • Süddeutschland ist diesmal stark betroffen.
  • Während eines Sturmeinsatzes wurde ein Fahrzeug der Feuerwehr Enkenbach-Alsenborn durch einen umstürzenden Baum beschädigt. Fünf Feuerwehrangehörige wurden verletzt, davon zwei schwer. Das Fahrzeug war ein Totalschaden.
  • Die Feuerwehren im Landkreis Kaiserslautern waren aufgrund einer Unwetterwarnung der Bezirksregierung bereits in den frühen Abendstunden in Alarmbereitschaft.
  • In fast allen Gemeinden deckte der Sturm Dächer ab, legte Bäume um und die Stromversorgung wurde unterbrochen.
  • Die Feuerwehr Mölschbach wurde während den Aufräumarbeiten am Stüterhof von umstürzenden Bäumen eingesperrt.
  • Mehrere Straßen mussten gesperrt werden, darunter die Landesstraßen zwischen Otterberg und Hörigen, Otterbach und Morlautern, Birotshof und Messerschwanderhof. Umleitungsstrecken konnte die Polizei nicht anbieten.
  • Auf dem Daubornerhof konnten Gäste eines Lokals nicht mehr nach Hause fahren, weil aufgrund von Windbruch die Straße versperrt war.
  • Zwischen Neustadt und Kaiserslautern war die gesamte Bahnstrecke lahmgelegt, nachdem ein Baum bei Lambrecht die Fahrleitungen durchtrennt hatte.
  • In Otterberg und Schallodenbach fallen die Telefone aus. Das THW ist in der Wallonenstadt im Einsatz, um eine 25 Meter hohe Fichte im Neuweg zu beseitigen.
  • Der Stadt- und Landkurier meldet am 8. März 1990: Die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Otterberg zählte aufgrund der Sturmeinsätze bereits 131 Einsätze. Bürgermeister Werner Theis will „angesichts der noch nie dagewesenen Katastrophensituation“ die Feuerwehrausrüstung ergänzen, um auch den Schutz der eingesetzten Einsatzkräfte zu verbessern. Nach Abstimmung mit den Führungskräften will er dem Verbandsgemeinderat entsprechende Vorschläge unterbreiten.
  • In der gleichen Ausgabe: Auch in den Otterberger Wäldern sind die Spuren der Orkane deutlich zu sehen. „Mächtige Bäume wurden entwurzelt, über dem Stock wie Streichhölzer abgeknickt.“ Bilder zeigen die Zerstörungen in der Waldsohl (Betonstraße zwischen Otterberg und Höringen) und im Bereich Grafenthalerhof.