Jubiläum auf dem Dach Deutschlands: 125 Jahre Wetterstation Zugspitze

Messdaten leisten wichtigen Beitrag in Klimaforschung und Wettervorhersage

Die Wetterstation Zugspitze (Turm) mit dem direkt angrenzenden Münchner Haus vor 1938 (Herbst 1938: Sprengung des Westgipfels; hier im Hintergrund rechts) Quelle: Bildkunst-Verlag Gg. Poppe, Bad Kissingen / Aufnahme: H. Huber
Die Wetterstation Zugspitze (Turm) mit dem direkt angrenzenden Münchner Haus vor 1938 (Herbst 1938: Sprengung des Westgipfels; hier im Hintergrund rechts) Quelle: Bildkunst-Verlag Gg. Poppe, Bad Kissingen / Aufnahme: H. Huber

Offenbach – Lange Datenreihen bilden die unverzichtbare Basis für die Analyse und Bewertung von Klimaänderungen. Und eine solche Datenreihe bietet die am 19. Juli 1900 eröffnete Wetterstation Zugspitze des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Wetterbeobachterinnen und -beobachter und ihre Instrumente liefern von dort seit 125 Jahren – mit Ausnahme einer gut dreimonatigen Unterbrechung zum Ende des Zweiten Weltkrieges – durchgängig meteorologische Daten.

Ulrich Lange, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, würdigte heute im Rahmen einer Festveranstaltung die Arbeit auf der Zugspitze: „Das Bundesverkehrsministerium hat mit der Wetterstation des DWD hier seine höchst gelegene Dienststelle und ich freue mich, beim Jubiläum an diesem besonderen Standort dabei zu sein. Denn: Die Begleitung und Stärkung der Wetter- und Klimaforschung zum Schutze und Nutzen der Bürgerinnen und Bürger ist uns ein besonders wichtiges Anliegen. Die in der Wetterstation Zugspitze geleistete Arbeit hat im Laufe der 125 Jahre ein unverzichtbares Wissen über die Gebirgsmeteorologie und die Zusammensetzung der Atmosphäre geschaffen.“

Daten ermöglichen verbesserte Warnungen bei Extremwetterlagen

Die Daten von Hochgebirgsstationen wie jener auf der Zugspitze waren bei der Gewinnung von Informationen über die freie Atmosphäre, also die Meteorologie in höheren Luftschichten und alpinen Hochlagen, bahnbrechend. Meteorologinnen und Meteorologen konnten damit gebirgsmeteorologische Phänomene wie beispielsweise Föhnsturm, Lawinen oder Gewitterbildung besser verstehen. Noch heute sind die Daten wichtig, um die Ergebnisse von Wetter- und Klimamodellen einschätzen zu können und Warnungen, insbesondere bei Extremwetterlagen im Gebirgsraum, zu verbessern. „Wettervorhersagen retten Menschenleben. Der DWD trägt mit seinen Wetterdaten entscheidend zur Sicherheit der Menschen auch in der Alpenregion bei. Der DWD ist ein wichtiger Partner für unsere Umweltforschungsstation Schneefernerhaus. Die einzigartige Wetterstation auf der Zugspitze liefert uns wichtige Daten für die Klima- und Umweltforschung. Diese Daten helfen uns auch in der bayerischen Klimapolitik“, betonte Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz.

Der DWD überwacht auf der Zugspitze zusammen mit der nahegelegenen Umweltforschungsstation Schneefernerhaus im Rahmen von nationalen und internationalen Programmen auch die Radioaktivität in Luft und Niederschlag sowie die Zusammensetzung der Atmosphäre. Aufgrund der freien Gipfellage werden auf der Zugspitze Vulkanaschewolken und Saharastaubereignisse detektiert, die unter anderem den Flugverkehr beeinträchtigen könnten. Qualitativ hochwertige Stationsmessungen von Sonderstandorten wie der Zugspitze sind zudem für die Kalibrierung der Sensoren von Erdbeobachtungssatelliten unerlässlich.

Automatisierung und manuelle Arbeit ergänzen sich

Die Wetterstation ist Deutschlands höchstgelegene. Sie steht auf einem von West nach Ost verlaufenden Gratabschnitt des Wettersteinmassivs, nahe dem Ostgipfel der Zugspitze mit einer Höhe von 2 962 Metern. Der meteorologische Turm und seine Plattform haben dabei eine Grundfläche von gerade einmal vier mal vier Metern. Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck, Windrichtung und -geschwindigkeit, Globalstrahlung, Sonnenscheindauer, Sichtweite, Wolkenhöhe und Wetterzustände erfasst modernste Technik heute automatisiert. Den Tagesniederschlag bestimmen die Beobachter des DWD vor Ort und steuern die Schneehöhe auf dem Zugspitzplatt manuell in die Datensysteme des DWD ein.

„Eine solche Wetterstation erfordert unter anderem wegen des extremen Klimas, das beispielsweise zur Vereisung der Messgeräte führen kann, einen hohen Wartungsaufwand und enormen Einsatz der Wetterbeobachterinnen und -beobachter – heute noch und erst recht zu den Pionierzeiten Anfang des vorigen Jahrhunderts, als noch keine Seilbahn den Gipfel erschloss. Mein besonderer Dank gilt deshalb den Generationen von Personal vor Ort für deren unermüdlichen Einsatz“, so Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD, und fügt an: „Die Wetterstation Zugspitze ist ein kleiner, aber dennoch wichtiger Baustein im hochmodernen Messnetz des DWD. Sie liefert nicht nur Daten, die für Vorhersage und Warnung wichtig sind, sondern ebenso einen unverzichtbaren Beitrag zu den gigantischen Datenströmen im DWD, auf deren Basis zukunftsorientierte Forschung und Innovation in den Bereichen meteorologische Technik, Wettervorhersage und -warnung sowie Klimaüberwachung, Klimavorhersage und -projektion möglich wird.“

Weitere Informationen zu Klima und Historie der Wetterstation Zugspitze.

Quelle: Pressemitteilung vom 16. Juli 2025